Znafelriff – Ruin

Einer der (ungewollten) Vorzüge des Daseins als Musikjournalist – hüstel, würg – ist,
daß einem der Chef alle Nase lang irgendwelche Veröffentlichungen obskurster Untergrundhorden zur Besprechung vorlegt. Ich kratze mich ja zuweilen am Kopf, wie solche digitalen Kausalverbindungen zwischen unserem popeligen No-Name-Webzine (‚tschuldige Chef, aber isso) und besagten Krachmaten zustande kommen.

In der Anonymität des Netzes den schmalen Grat zwischen Untergrund und Untermenschentum wandelnd, besteht Unsicherheit meinerseits, ob ich’s mit ernsthaften Musikern, Studenten der Kulturwissenschaften oder schlicht mit Attention Whores aus der Weite des Neulands zu tun habe.

Worum ging’s gleich? Ach ja, um die Mini-CD „Ruin“ der Anthrazitmetaller Znafelriff aus Norwegen, oder Berlin. Galt die Herkunft aus erstgenanntem Land lange Zeit als Qualitätsmerkmal, kann dies für Abschaumcity bisher nicht gelten. Oder vielleicht gerade doch, weil besonders abschaumhaltig.

Was vorliegt, ist ein Demo mit vier Stücken, dazwischen ein Interludium, bestehend aus voll nachdenklich klingenden unverzerrten Gitarren, die es nicht vermögen, Atmosphäre heraufzubeschwören.

Was die Songs angeht, sind die besten Momente jene, in denen Znafelriff ihre skandinavischen Vorbilder mehr oder weniger direkt zitieren. Heißt also, man versteht es, ein Riff (nach)zuspielen, so wie eine Turingmaschine ein Wort zu schreiben vermag. Titel wie „Heisere Stille“ oder „Eismeer aus Angst“ weisen eindeutig auf einen kulturwissenschaftlichen Hintergrund hin.

Jede Faser meines müden Körpers sträubt sich dagegen, ein weiteres Wort…ach, TRUPPENSTURM, verdammte Scheiße!

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