Marode Heimat – Haus Tervoort

 

Wie es mit Hunden numal so ist, verlangen die kleinen haarigen Biester gerne mal nach Auslauf und wir Menschen sind in vielen Fällen gerne bereit, ihnen diesen zu gewähren. Zu Zeiten, als ich und meine Gattin noch einen solchen pelzigen Anhang unser Eigen nannten, führten uns unsere Spaziergänge gelegentlich an Orte, von denen wir gar nicht wußten, daß diese sich in unmittelbarer Umgebung befanden. So geschehen, als wir mehr oder weniger unverhofft auf die Ruinen des Hauses Tervoort stießen.

Bei diesem verfallenen Gemäuer handelt es sich um ein ehemaliges Rittergut, dessen früheste Spuren sich in der Geschichte unserer Heimatstadt bis in das frühe 12. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Die Besitzer und Lehnsherren des Schlosses wechselten sich bis in die Neuzeit mit schöner Regelmäßigkeit ab und laut Wikipedia hat das Schloß Tervoort wohl eine mehr als bewegte Geschichte hinter sich. Die heutige Besitzerin der Ruine ist Gräfin Marie del Carmen von Liebrecht.

Im Jahre 1856 richtete die Stiftung Bethanien – welche später das gleichnamige rennomierte Krankenhaus ins Leben rief – für einige Jahre Krankenstationen in den Räumlichkeiten des ehemaligen Ritterguts ein. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde das Haupthaus durch eine Bombe der Alliierten zerstört und im Jahre 2004 brannte ein Großteil des ungenutzten Nebengebäudes durch zündelnde Kinder ab und beschleunigte so den Verfall des Gebäudes. Bei sogenannten „Mystery Fans“ und „Ghosthuntern“ haben die Ruinen des Schloßes den Ruf eines Geisterhauses und einige übernatürliche Phänomene sollen dort schon von „Experten“ gesichtet worden sein. Ob man so etwas Ernst nimmt oder außersinnliche Entitäten als reinen Humbug abtut, bleibt jedem selbst überlassen.

Zurück zum Thema: Wir marschierten also samt Hund und Leine an einem wunderschönen Herbsttag durch die Ruinen des mitten im Wald gelegenen Grundstücks. Die Natur hat natürlich, wie es ihr halt zu eigen ist, sich einen Großteil der Mauern und der von Menschenhand geschaffenen Struktur wieder einverleibt und an einigen Stellen erahnt man nur noch die Überreste, welche nun nach und nach vom Wald verschlungen werden. Vorbei geht es an überwuchterten und eingestürzten Kellergewölben, verlassenen Pferdeboxen, einem verfallenen Schwimmbecken, einem komplett überwucherten Wohnwagenanhäger und leeren, blinden Fenstern, aus denen Bäume wachsen, die ihre Kronen zu einem Blätterdach vereinigen. Die Atmosphäre vor Ort war für uns so unverhofft überwältigend und einschüchternd, daß wir, ohne von Geistern und Spuk zu wissen, seltsamste Sinneswahrnehmungen hatten.

Mittlerweile ist natürlich auch die „Lost Places“- Szene auf das Haus Tervoort aufmerksam geworden und ein bekannter Bikerclub namens Globetrotter Homeless hat sein Clubhaus direkt neben den Ruinen eröffnet. Im Herbst und im Winter ist jedoch sowohl von der Zugänglichkeit als auch von der Atmosphäre her die beste Zeit, um einen erneuten Spaziergang durch die Jahrhunderte zu wagen…

 

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