Interview mit Night In Gales auf dem Rage against Racism 2018

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19:15. Ich bin mit Jens Basten eine Stunde nach dem Auftritt von Night in Gales zum Gespräch verabredet. Zwar finde ich ihn erst, nachdem ich ihn mit seinem Bruder verwechselt habe…egal. Nach dieser Peinlichkeit finden sich die Band und ich in den heiligen Hallen des Backstagebereiches zusammen, wo alle bis auf Frank versammelt sind und ihre mexikanischen Teigtaschen zu futtern kriegen. Im Folgenden entspannt sich ein 45 Minuten langes Gespräch zwischen der Truppe und dem nervös-verrafften Fragesteller…

C.S.: Sooo,…Ich dachte, daß nur du und ich hier sitzen würden und jetzt ist fast die gesamte Band hier…

Jens: Ist doch gut, dann kannst du bei Fragen zu einzelnen Instrumenten auch die Mitglieder direkt ansprechen.

C.S.: Genau…also, grundsätzlich möchte ich sagen, daß, wenn ich nicht jemanden direkt frage, sich alle Anwesenden äußern können, sofern euch was einfällt. Jens, du warst im Vorfeld etwas unsicher bzgl. der Publikumsreaktionen auf die Neubesetzung und welche Songs live gut ankommen würden. Es ist vielleicht ein bißchen früh, das eine Stunde nach eurem Auftritt zu fragen, aber wie lautet denn dein bisheriges Fazit?

Jens: Dies war unser zweites Konzert in diesem Jahr. Das erste fand ja auch hier in der Mühle zur Releaseparty des neuen Albums statt. Alles lief sehr rund, die Songs sind sehr gut angekommen, die ersten Reihen haben mitgesungen, das haben wir während unserer Karriere selten erlebt. Die neue Platte ist super eingeschlagen, was wir auch bei keiner neuen Veröffentlichung hatten. Das heutige Konzert war ein Open Air und das Wetter nicht so geil, aber es sind mehr Leute geworden und nicht weniger, was immer ein gutes Zeichen ist. Das Merch ging auch gut weg, also, wir sind zufrieden. Wir haben vier Songs vom neuen Album gespielt und bei einer halben Stunde Spielzeit bleibt dann halt nur ein kurzer Rest für ein paar alte Nummern. Da wir mit Christian Müller auch wieder unseren alten Sänger mit dabei haben, haben wir auch den Schwerpunkt auf „Sylphlike“ und „Razor“ gelegt, weil es keinen Sinn hat, einen Sänger auf die Bühne zu stellen und Texte singen zu lassen, die er nicht selbst geschrieben hat. „Sylphlike“ stand während unserer Björn-Gooßes/Nuclear-Blast-Phase nicht im Fokus, daher ist es für uns ein schlüssiges Konzept, die Roots zu zeigen und mit dem neuen Album daran anzuknüpfen. Es handelte sich dabei nicht um eine strategische Entscheidung, die sich daran orientierte, was bei Fans gut ankommt; wir haben einfach losgelegt und die oldschooligen Sachen sowie die neue Platte funktionieren einfach gut.

C.S.: Haben du oder ihr einen Favoriten auf dem neuen Album?

Jens: Bei mir persönlich – wie bei jeder Platte – ist es so, daß, je öfter man sie hört, irgendwann die ursprünglichen Favoriten durch neue ersetzt werden. Richtig geil finde ich „The Spears within“, ein kurzer, knackiger und treibender Song, wo alles stimmt. „The last Sunsets“ ist vielleicht ein bißchen ungewöhnlich, weil wir da Parts drin haben, die es so bisher bei Night In Gales nicht gab, aber der Song hat mega Ohrwurmqualitäten, weil es nicht der typische Song ist. Meine Bandmates haben mich bei „Architects of Tyranny“ überzeugt, den wegen seiner Eingängigkeit ins Set mitzunehmen.

Ricci: „Architects of Tyranny“ ist der abwechslungsreichste Song auf der Platte. Wie bei jedem Album ist es ja so, daß gewisse Momente beim erstmaligen Hören hängenbleiben. Und „Architects of Tyranny“ war der erste Song, den ich, nachdem alles abgemischt war, gehört habe und plötzlich Gänsehaut bekam, was mir eigentlich selten bei irgendwelchen Bands passiert.

Tobbe: Grundsätzlich gehe ich auch konform mit dem, was gesagt wurde. Es gibt da Momente auf der Schallplatte oder auf der neuen Platte…

Jens: Schellackplatte…(freut sich)

Tobbe: Schellack…Schallplatte…Du hörst tagesformabhängig die Platte anders. So ergeht’s mir persönlich. Das ändert sich aber auch, wie ich die Platte höre. Manchmal höre dann ich lieber ’n andern Song…

Jens: Welchen denn?

Tobbe (überlegt kurz): „The Abyss“, meinetwegen.

Jens: Wichtig ist hierbei, daß „The Abyss“ und die andere Single, „The mortal Soul“, mehr altes In-Flames-Feeling haben, das können alle hören. Sie sind eingängiger, midtempolastig und rocken mehr. Diese Songs wurden auch zu einem anderen Zeitpunkt geschrieben, genauso wie das letzte Stück „Dust and Form“. Die drei Stücke entstanden anderthalb Jahre vor dem Rest der Platte und waren für einen anderen Sänger intendiert, weswegen sie auch mehr nach In Flames klingen. Das hat also schon seine Story. „The Abyss“ und „The mortal Soul“ sind trotzdem einvernehmlich mit dem Label als Singles genommen worden. Man hat nur die eine Chance, das ist im Business so. Du haust – heute digitale – Singles raus, Lyricvideo dabei, Musikvideo dabei. Man will die meisten Leute erreichen und deshalb nimmt man halt auch die eingängigsten Songs. Ein Label kommt dir immer dazwischen, das ist immer so. Das sind die Songs, die simpler sind und live am besten funktionieren, der vertrackte Kram auf der Platte ist dann eher was für die Spezialisten des Göteborg-Sounds, die z.B. die ersten beiden Alben von At The Gates mögen.

C.S.: Bevor ich mich auf den Weg hierher gemacht habe, habe ich zu Hause die „A Velvet Creation“ von Eucharist gehört. Auf dem Titelstück ist ein flirrendes Gitarrenriff zu hören, welches so ähnlich wie eines auf eurer neuen Platte klingt (Gemeint ist „Architects of Tyranny“ – C.S.).

Jens: Das fassen wir als Kompliment auf, weil das eine unserer Lieblingsplatten ist.

Tobbe (fährt dazwischen): Ich war noch gar nicht fertig mit meiner Ausführung…

Jens: Okay…(lacht)

Tobbe:„The Abyss“ und „The mortal Soul“ haben ein ganz anderes Flair als z.B. „Circle of Degeneration“ und daher ist es ganz normal, daß sich die eigenen Favoriten auch mal ändern können. Deswegen mag ich halt an einem Tag die Atmosphäre eines Songs lieber und höre an einem anderen Tag einen Song wie „The Spears within“, der voll auf die Zwölf geht. Da die ersten drei Songs ursprünglich für ein Demo mit einem anderen Sänger geschrieben wurden, ist das Album sehr abwechslungsreich. Kurzzeitig hatten wir andere Ideen, wie es weitergehen sollte und als Christian Müller wieder einstieg, entwickelte sich das Songwriting in die entsprechende Richtung. Und das ist auch das Interessante an der Platte.

Jens: Genau! Als Christian seinen Wiedereinstieg bekannt gab, war klar, wie die anderen Songs ausfallen würden, nämlich Oldschool Melodeath, schneller und vertrackter. Mit dem Sänger, den wir davor im Auge hatten, wäre das nicht möglich gewesen. Mit Christian wieder drin haben wir uns aber entschieden, die drei Songs trotzdem mit draufzunehmen, damit die Platte nicht so homogen klingt. Wir setzen so ein paar 95er Akzente, was den Leuten gefallen dürfte und uns ja auch gefällt. Es muß nicht alles gleich sein!

Ricci: Ich denke auch, daß ein großer Vorteil der Platte ist, als Jens mir die Gitarrentracks samt Clickspuren zugesendet hat, ich das erste Mal während meiner NIG Phase meinen kreativen Freiraum hatte und mich wirklich ausleben konnte. Im Studio waren weder ein Gitarrist noch ein Bassist anwesend, somit konnte ich meine eigenen Ideen verwirklichen. Ich habe mich gut drauf vorbereitet und es war das erste Mal, daß ich hundertprozentig wußte, was ich spielen wollte. Sonst war es immer so, daß ich das Grundgerüst für die Schlagzeugparts erarbeitet hatte und der Rest im Studio entstand, weil ich früher zehn bis zwölf Takes gebraucht habe. Da hieß es dann von Seiten des Produzenten oder Gitarristen, daß ich lieber Version Eins oder Zwei noch mal spielen sollte. Ich wußte, was ich spielen wollte, habe es einmal eingespielt und es hat direkt gepaßt.

C.S.: Im Booklet werden drei, vier verschiedene Studios genannt, in denen das Album entstanden ist. Ich schätze mal, daß das Album in so vielen Studios aufgenommen wurde, zum einen daran liegt, daß ihr nicht alle in der gleichen Ecke wohnt und das Album zu unterschiedlichen Zeiträumen geschrieben wurde. Liefen dann schlußendlich bei dir und Dan Swanö die Fäden zusammen?

Jens: Nun, wie wahrscheinlich 80% aller Bands, die kein Majorlabel-Budget zur Verfügung haben, müssen wir aufs Geld gucken. Deswegen werden die Studios mehr, wie du im Booklet siehst. Bei den Drums ist es so, daß, wenn du die aufnehmen willst, ein gutes Studio mit einem guten Raum brauchst, der auch klingt. Die Becken müssen Luft haben, du kannst das nicht in einer Kammer oder mit Triggern aufnehmen. Deswegen buchen wir für die Drumaufnahmen immer ein separates Studio. Das ist nicht nur der Entfernung geschuldet. Meine Aufnahmen mit Gloryful sind auch so gelaufen. Ein Drumstudio ist auch zehnmal teurer als alle anderen Studios….

C.S.: …Das wußte ich z.B. gar nicht…

Jens: …Und das ist nicht nur bei uns so, sondern auch bei anderen Bands, die was auf sich halten. Ein Drumkit benötigt einen guten Aufnahmeraum, wie auch einen guten Toningenieur. Das ist fast genauso wichtig wie der Rest der Aufnahme, denn wenn die Drums scheiße klingen, kannst du’s vergessen. Es ist nicht mehr so wie früher, daß man 10.000 Euro bekommt und sich alle Urlaub nehmen, um in einem Studio aufzunehmen. Wir sind mittlerweile alle berufstätig. Vor zwanzig Jahren war das anders, als wir noch Azubis, Studenten oder Schüler waren. Da hat man zwei, drei Wochen Urlaub gemacht, ging nach Berlin und mußte sich um nichts kümmern. Heute ist das anders, Zeit wie Geld sind knapp bemessen. Ich nehme die Saiteninstrumente bei mir im Homerecordingstudio auf, mit sehr begrenzten Möglichkeiten. Wir brauchen eigentlich nur ein klares digitales Eingangssignal, was ich bei mir zuhause gewährleisten kann und können so lange, wie wir wollen, kostenlos aufnehmen. Die Signale werden danach gereampt bzw. digital reproduziert und der Gesang in Wohnortnähe des Sängers in einem separaten Studio aufgenommen. In unserem Falle geschah dies bei Darius, ehemals von Nebular Moon, der seit zwanzig Jahren in der Szene ist und gerne Platten aufnimmt. Dort herrscht ein gutes Aufnahmeklima. So erklärt sich die Anzahl der Studios. Dan Swanö bekam dann die Spuren auf seinen Server und begann mit dem Mix. Dieses romantische Ideal – auch wenn viele es gerne hören würden – daß du mit dem Produzenten zusammensitzt, gibt es häufig so nicht mehr. Das ist schon Schnee von gestern.

C.S.: Das heißt, es werden nur Dateien via Mail oder so hin- und hergeschickt…

Jens: Das Budget betrüge 300% von dem, was wir ausgeben können, wenn wir alles bei Swanö aufnähmen. Er hat nur gemischt und gemastert, wie aus dem Booklet hervorgeht. Das ist aber Gang und Gäbe heutzutage, aus Kostengründen. Das tut der Sache aber auch keinen Abbruch…

C.S.: Nein, die Platte knallt ja…

Jens: …Swanö, das muß ich an der Stelle nochmal dazu sagen, ist der unkomplizierteste Mischer und auch Mensch, den ich in meiner gesamten Karriere erleben durfte. Ich bin deswegen auch da Stammkunde geworden mit meinen anderen Bands. Er weiß, wie es läuft. Du kriegst nach einer Woche bis zehn Tagen den ersten Song im Endmix und dann korrigiert man vielleicht noch ein bißchen. Das sind meistens die Kick- oder Snaresounds, weil die einem recht schnell auf’n Sack gehen. Danach wird noch kurz am Gitarrensound gefeilt und der Rest stimmt, weil der Typ weiß, wie es klingen muß. Der hat zwanzig Jahre Meilensteine im Black und Death Metal produziert und weiß einfach, wo alles hingehört.

Ricci: Ähnlich ist es bei mir mit den Drums. Ich nehme jetzt schon seit 2008 beim Roger in Schwäbisch-Hall auf, wo auch die Schlagzeugspuren für Night In Gales eingespielt worden sind. Das erste Mal mit Swanö war für die NIG Promo von 2008, da habe ich ihn als unkomplizierten Mischer und Produzenten kennengelernt, der während der Aufnahmephase auch keine Hektik verbreitet. Er strahlt eine gewisse Ruhe aus, was für einen Schlagzeuger immens wichtig ist. Daß man sich wohlfühlt ist essentiell für die Leistung, die man bringen muß. Darüber spielt er selbst Schlagzeug und kennt das Instrument.

Tobbe: Man muß dazu auch sagen, daß wir das nicht erst seit „The Last Sunsets“ auf diese Weise machen. Ricci war, wie er gesagt hat, vorher schon bei Dan und das Demo von 2008 sowie „Five Scars“ wurden genauso aufgenommen. Bei Gloryful ist es dasselbe. Dadurch entsteht natürlich ein gewisses Verständnis.

Jens: Der wichtigste Indikator ist vor allem, daß die Platten keine schlechten Kritiken für die Produktion kriegen. Das hört sich wieder strategisch an, aber mein eigener Anspruch an den Klang der Platte ist mir weniger wichtig, als daß sie bei Fans und Presse gut ankommt. Man muß sich da selbst ein bißchen zurückstellen. Es kann nicht sein, daß der Musiker irgendwelche komischen Ideen für den Sound der Platte hat, wenn diese nachher in der Presse zerrissen wird. Ich mag auch gar nicht diese Sprüche über alte Platten wie „The Red in the Sky…“  und die „A Velvet Creation“. Die werden heute regelmäßig wegen des Sounds diskutiert bzw. bemängelt. Ich hingegen liebe den Sound und bin sicher, daß es mit 2018er High-Tech Sound scheiße und seelenlos wäre.

C.S.: Die Snare klingt ’n bißchen komisch…(Auf „A Velvet Creation“. Der Fachmann hat gesprochen… – C.S.)

Jens: …Ich finde, daß sind Momentaufnahmen und für mich kann es diese Platten nur so geben, wie sie sind. Ich habe die geliebt und liebe die heute noch…

Tobbe: …Die sind eigenständig…

Jens: …Die „Towards The Twilight“ ist auch total komisch…

Tobbe: …Den Gitarrensound auf „Velvet Creation“ findest du auf keiner anderen Platte…

Jens: …Aber nicht umsonst schreibst du die in deine Top Zehn der Musik wegen. Es sind Momentaufnahmen.

C.S.: In anderen Interviews, die ich gelesen habe, hieß es, daß ihr dieses Jahr noch ein neues Album aufnehmen werdet, das 2019 erscheinen soll. Steht dahinter neben der Motivation auch der Gedanke, am Ball zu bleiben und nicht wieder so viel Zeit wie bei „Five…“ bzw. „…Sunsets“ vergehen zu lassen?

Jens: Genau…(überlegt kurz). Nach „Five Scars“ ist Björn ja, wie er auch angekündigt hatte, ausgestiegen, woraus sich eine notgedrungene Pause ergab. Es fanden dann die Abschiedstour in Rumänien und einige Festivalauftritte statt. Aber wir brauchten einen richtigen, guten Sänger. Christian hat eine Weile gebraucht, um sich zu entscheiden, ob er einsteigen würde oder nicht. Da kommt er gerade…

C.S.: Christian, in den Liner Notes zu „Ashes & Ends“ heißt es, daß ein Grund für deinen Ausstieg war, daß du die vielen Auftritte nicht stemmen konntest. War es eine Bedingung für deinen Wiedereinstieg, dazu in der Lage zu sein, die Anzahl der Liveauftritte wahrnehmen zu können?

Christian: Also, der Ausstieg damals…(überlegt kurz), also, wir waren auf dem richtigen Weg und es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Sache war einfach die, bevor die Band bei Nuclear Blast unterschrieben hat, waren wir bei…(überlegt)…das war doch irgendwas aus Ostdeutschland…

Jens: Invasion Records?

Christian: Nee, nicht Invasion…

Tobbe: …War Invasion, ja…

Chris: War das Invasion?

Tobbe: Da war einiges…

Christian: Ja gut, egal. Auf jeden Fall habe ich den ersten Vertrag gelesen und war zu dem Zeitpunkt noch nicht volljährig. Ich dachte mir: „Gut, das Ding darf ich nicht unterschreiben.“ und wußte genau, daß ich das meinen Eltern nicht vorlegen kann.

Tobbe: Echt?

Christian: Ja! Jedenfalls war da für mich klar, daß der Weg für mich an dieser Stelle zu Ende ist. Ich mußte mich erstmal um eine Ausbildung, usw. kümmern. Als wir wieder zusammengekommen sind, stand da kein großer Masterplan dahinter, ich bin dritte Wahl (Gelächter)…Ich hatte die Bedingung gestellt, daß keine Konzerte mehr kommen, weil ich familiär und beruflich eingebunden bin. Schon Auftritte am Wochenende zu realisieren, war eine Herausforderung. Der Rest hat sich so ergeben, der Druck ist nicht da, wir haben Spaß daran, live zu spielen und es ist gut so, wie es ist. Wir organisieren und arrangieren uns auch gut.

Jens: Das ist richtig. Wir haben uns auch durchaus darüber unterhalten, weil die Anzahl der Shows für ihn nicht paßte. Aber Christian hätte die Platte immer eingesungen, das heißt, er war unsere erste, nicht die dritte Wahl. Aber weil wir die Platte auch aufführen wollten, haben wir solange gewartet, bis Christian gesagt hat: „Okay, ein paar Shows spiele ich“. Denn du kannst keinem Label sagen, daß du nicht auftrittst. Deine Platte kann noch so gut sein, wenn du sagst, daß du nicht auf die Bühne gehst, wirst du nicht gesignt. Die Werbung ist teuer geworden, du kennst das ja alles. Und ich will auch keine Labels verarschen. Tobbe hat Christian dann getroffen und als es hieß, daß Christian auch live spielen will, haben wir direkt Nägel mit Köpfen gemacht. Und dann war klar, daß wir nur dann spielen, wenn Christian kann. Es hat sich jetzt so herauskristallisiert, daß wir nur noch vier, fünf Shows spielen. Das wird nächstes Jahr auch nicht mehr werden. Das Gute ist, wir nehmen halt die Open Airs, die wir kennen. Durch unsere Verbindungen aus zwanzig Jahren Karriere können wir uns da auch relativ leicht die Perlen rauspicken. Wir wissen, was uns erwartet und es mischt sich ein bißchen der Spaß- mit dem Famefaktor. Wir fangen nicht noch mal bei Null an und spielen in Jugendzentren, das machen wir nicht mehr…

Christian: Wobei wir fairerweise sagen müssen, daß ich zwar das größte Bottleneck in der Band bin, aber nicht das einzige. Auch die anderen sind entsprechend ausgelastet. Wenn bspw. Jens einen Gig mit Gloryful spielt, der schon lange gebucht ist, nützt es nichts, wenn ich an dem Wochenende frei habe.

Jens: Das gute ist aber auch, daß wir uns nicht den Arsch abspielen müssen, da die Platte von alleine läuft, worauf ich sehr stolz bin, wie ich an dieser Stelle sagen muß. Wir müssen nicht wieder durch jede Kegelbahn tingeln und unterm Kicker pennen. Das machen wir auch nicht mehr. Die Platte läuft überraschend gut und das Label ist zufrieden. In der Szene nennt man das, glaube ich, die „Bolt-Thrower-Phase“ (Gelächter). Wir machen drei Prozent von dem, was die machen, aber die können sich aussuchen, wo und wann sie spielen. Für uns – im Kleinen – ist das hier jetzt die Bolt-Thrower-Phase. Edge of Sanity hatten auch nie Bock gehabt, auf Tour zu gehen, da es schwierig sei, die Qualität des Albums auf der Bühne zu reproduzieren. Er, Dan Swanö, wollte keine halbgaren Nummern aufführen. Die Platten liefen aber trotzdem gut, und das habe ich immer bewundert. Man muß sich nicht jedes Wochenende auf jeder Bühne der Welt beweisen, wenn man ’ne geile Platte hat. Punkt!

C.S.: Christian, wirst du in Zukunft Texte schreiben?

Christian: Ich würde, ja…

C.S.: Die Texte auf der „Sylphlike“ stammen ja von Christian Bass…

Christian: …unter anderem, ja…Nun, ich habe unter anderem mit Tobias bei In Blackest Velvet gespielt, wofür Ricci eine der Platten eingespielt hat, für die ich Texte geschrieben habe. Letztes Jahr habe ich mit einem Kumpel unter dem Namen Shockgnosis eine Platte rausgebracht („Of Tyrants and Martyrs“ – C.S.), für die ich ebenfalls Texte verfaßt habe. Ich bin also durchaus in der Lage, Texte zu schreiben…

C.S.: So habe ich das nicht gemeint! (Gelächter)

Christian: Allerdings ist es so, daß meine Texte eher in die sozialkritische Richtung gehen und ich glaube, das paßt nicht so ganz zu der Musik. Jens hat fürs neue Album die Texte geschrieben, alles gut. Ich hoffe, zur neuen Platte ein, zwei Texte beitragen zu können, in der Hoffnung, daß die dann nicht durchs Raster fallen. Ich habe halt eine spezielle Art, zu schreiben und es muß einfach zur Musik passen.

C.S.: Verstehe. Wo wir bei Texten sind: Jens, du hast fürs neue Album alle Texte bis auf zwei während einer Afrikareise geschrieben, zwei Jahre nachdem die Musik bereits geschrieben war. Hattest du dazu die Mucke im Hintergrund oder sind sie aus dem jeweiligen Moment entstanden?

Jens: Genau. Ich zeichne auf jeden Fall wieder für Texte auf der nächsten Platte verantwortlich, da ich hier schon im Prozess des Texteschreibens bin. Das ist schnell erklärt und soll Christian nicht abwerten: Das passiert, wenn man Zeit dafür hat und die hat man nur, wenn man gezwungen ist, Bus- oder Zugfahrten von sechs bis zehn Stunden zu erdulden. In Afrika war es so, daß ich auf einem Road Trip war und die meiste Zeit im Bus saß. Währenddessen konnte ich mich richtig darauf konzentrieren, weil ich keine großartigen Gespräche mit der Reisegruppe geführt habe, die sich eher über Giraffen unterhielt. Ich habe halt in dieser leeren Zeit zu schreiben angefangen und kam dann auch richtig gut in den Fluß. Ich hätte nicht weitergeschrieben, wenn ich was hätte erzwingen müssen. Es kam einfach eins zum anderen und ich habe gesehen, wie die Sache wächst. Ich habe noch nie vorher Texte geschrieben, aber es hat funktioniert. Am Ende fehlten noch zwei und so habe ich Gastsänger gefragt. Dabei handelt es sich um Flo, Sänger von The Wake, einem gemeinsamen BM Projekt, und Martin von Harasai, den ich heute nach langer Zeit mal wieder treffen werde. Harasai war hier im Ruhrgebiet gewissermaßen der Staffelübernehmer, was Melodeath angeht und hat richtig geile Alben abgeliefert. Martin weiß auch, wie der Hase läuft, sage ich mal, und hat einen geilen Text dazugesteuert. Bei der nächsten Platte wird es ähnlich laufen, da ich in letzter Zeit wieder lange in der Bahn saß. Dabei habe ich angefangen, Titel zu organisieren und später unter die Titel die Texte zu schreiben. Diese gehen in eine ähnliche Richtung und es läuft wieder, mit dem Unterschied, daß ich die Texte Christian rüberschicke, sobald sie zur Hälfte fertig sein werden. Er kann dann an den gewünschten Stellen seine Ideen dazusteuern. Mir ist wichtig, daß daraus ein Schuh wird, ein Konzept ersichtlich ist und es zum Death Metal paßt.

Christian: Ich glaube, daß Erfolgsrezept ist, daß die Platte musikalisch wie lyrisch wie aus einem Guß ist. Das gilt für die aktuelle Scheibe und das wollen wir beim nächsten Mal nicht ändern. Heißt, wenn ich textlich nicht zum Zug komme, ist das halt so! Ist auch in Ordnung, da gibt es keine Eitelkeiten. Es ist einfach cool, ein in sich geschlossenes Album zu haben und wenn wir das beim nächsten Mal wieder schaffen, stellen wir auch gerne unser Licht unter den Scheffel.

C.S.: Okay! Ihr habt zu „The Abyss“ ein Video gedreht. Mich erinnern viele Szenen und die ganze Machart ein bißchen an das Video zu „Blinded by Fear“ von At The Gates. Fehlt nur noch ’ne Olle mit’m Schneidbrenner. Zufall?

Christian: Ich verstehe die Frage nicht. Wer ist At The Gates?

Tobbe: Newcomer?

C.S.: Ja, aus Schweden…haben letztes Jahr ein Album aufgenommen…

Christian: Ja, machen viele Schweden…(Gelächter)

Jens: Es war so, wir haben Razvan Raduta, dem Regisseur des Videos, fünf bis sechs Referenzvideos zur Orientierung geschickt, weil er sonst auch gern sehr künstlerisch ausufernde Sachen macht. Wir wollten nicht in der Düster-Gothic-Ecke landen, mit schwarzweiß, noir und so weiter. Er sollte sich daran orientieren, so daß wir am Ende was handfestes hatten.

C.S.: Okay. Es ist also keine bewußte „Verneigung“ vor der Band?

(die Band redet durcheinander, Gelächter)

Christian: Sagen wir mal so: Wenn der Künstler eine Tendenz zu dieser Band zeigt, zu At The Gates, oder…?

(die Band redet erneut durcheinander, Gelächter)

Christian: Nee, keine Ahnung. Lassen wir mal die Kirche im Dorf. Wir haben da keine Verneigung versucht, das ist der Knackpunkt, das ganze Ding war spontan. Wir haben irgendwas gemacht, worauf wir Bock hatten und wenn’s wie eine Hommage an irgendeine Band wirkt, dann ist es halt so. Wir sind nicht nach dem Prinzip „Copy & Paste“ verfahren.

C.S.: Nee, so habe ich es auch nicht gemeint. Die Ähnlichkeiten fielen mir halt derart auf, daß ich dachte, mal nachzufragen.

Ricci: Die hatten damals auch nicht so viel Geld wie wir da.

C.S.: Stimmt. Da war halt nur was drin in einer verrottenden Lagerhalle…

Ricci: Das Video ist in einem Tonstudio in Wuppertal entstanden.

C.S.: Jens, Björn und Christian haben während ihrer Mitgliedschaft die musikalische Ausrichtung von Night In Gales stark in die Richtung von „Necrodynamic“ und „Nailwork“ gepusht, wie du selbst gesagt hast. Bist du nach deren Abgang jetzt derjenige in der Band, der das letzte Wort darüber hat, welcher Song auf dem Album landet und welcher nicht?

Jens: Ich habe das in anderen Interviews zu erklären versucht. Christian und Björn haben durch ihre Ideen und Wünsche die Band sehr stark geprägt. Das äußerte sich dann so, daß man Kompromisse machen mußte. Ich kann, glaube ich, für den Rest der Band sprechen, wenn ich sage, daß ich nicht der Musiknazi war, der den Melodeath reinhalten wollte. Die anderen waren eigentlich auch so drauf. Aber Björn und Christian waren halt die progressiveren Elemente in der Band. Christian war nach der „Nailwork“ sehr darauf erpicht, progressiver zu werden, heißt, z.B. mehr Breaks einzubauen. Er hatte andere Einflüsse und kam auch eher aus der Hardcore Szene. Gibt halt immer Vorbilder, die man so hat und man kam da nicht dran vorbei. Christian ist auch ein geiler Drummer und wir wollten ihn natürlich auch so lang wie möglich behalten, aber irgendwann ging es nicht mehr und er ist dann schlußendlich selber gegangen, weil er auch nicht mit dem zufrieden war, wo wir karrieretechnisch irgendwann standen. Ich kann sagen, daß das Line-Up jetzt so gut ist, wie es noch nie war, nur wenn ich das jetzt sage, klingt’s komisch, denn ich bin happy, kann mich zu hundert Prozent entfalten und alle anderen sind anscheinend auch happy. Es klingt komisch, wenn ich sage, es war wie ein Befreiungsschlag.

Christian: Vielleicht kann ich als Außenstehender, der mehr als zwanzig Jahre nicht dabei war, was dazu sagen: Ich fand die Sachen, die Night In Gales über die Jahre gemacht hat, immer geil. Ich war null böse, irgendwann nicht mehr Mitglied zu sein und habe das verstanden. Ich habe auch die Entwicklung verstanden, heißt, es gibt keine NIG Scheibe, die ich schlecht finde. Björns Entwicklung und Schaffen über die Jahre sind grandios, daher war es für mich eine Überraschung, daß sie mich zurückhaben wollten. Ohne Scheiß! Weil ich glaube, daß Night In Gales mit Björn einen Riesensänger in der Band hatte. Zu Christian Bass kann ich nicht viel beitragen, weil ich nicht weiß, wie die Geschichte lief. Aber was Björn angeht, so gehört halt dazu, daß er Night In Gales über Jahre geprägt hat, so daß ich, als ich hörte, daß er die Band verlassen würde, erstmal dachte: „Scheiße, das ist ein Verlust!“ Ohne das jetzt despektierlich oder negativ zu meinen, war es vielleicht ein Befreiungsschlag, daß Björn die Band freiwillig verlassen hat und man sich jetzt wieder auf die Wurzeln zurückberuft bzw. berufen kann. So daß man sagen kann: „Wir machen jetzt einfach mal wieder Musik wie vor zwanzig Jahren!“ und ich denke, daß Ergebnis sieht man an „The Last Sunsets“.

Ricci: Auf „The Last Sunsets“ ist, denke ich, auch herauszuhören, daß wir nicht alle unbedingt aus dem gleichen musikalischen Holz geschnitzt sind. Ich komme eher aus der brutalen Death Metal Szene und habe versucht, dem Ganzen ein paar andere Stempel aufzudrücken, z.B. durch schnelle Doublebass und Blastbeats, die ja im klassischen Melodic Death Metal eher selten sind.

C.S.: Jetzt ist Jens gerade weg…

Christian: Wir können für ihn antworten. (lacht)

C.S.: Fast das komplette Album ist ja auf Jens‘ Mist gewachsen…

Christian: Es ist Jens‘ Album.

C.S.: Ja.

Christian: Punkt! Es das Album vom Jens. Ich glaub‘, da braucht man gar nicht drüber diskutieren. Und das ist gut!

C.S.: Kommen wir mal kurz zum Thema Gestaltung, wenn ihr mich noch aushalten könnt. (Gelächter) Wenn man die Cover von „The Last Sunsets“ und „Towards The Twilight“ nebeneinander betrachtet, werden die Ähnlichkeiten augenfällig. Ist das auch als graphisches „Ausrufezeichen“ zu sehen?

Ricci: Man könnte jetzt „ja“ sagen und dann reicht das…

Christian: Jens hat die fertigen Songs letztendlich rübergeschickt zu demjenigen, der das Cover gemacht hat (Costin Chioreanu – C.S.). Der hat auf Basis dessen etwas entwickelt. Am Ende gab es verschiedene Versionen des Covers in verschiedenen Farben, mal mehr rot, orange, gelb, usw. Und dann haben wir am Ende zu dem orangefarbigen Cover gesagt: „Geil, das nehmen wir!“, und so ist das Ding entstanden, ich glaub‘, da stand kein großer Plan dahinter.

Jens: Das wichtigste hast du schon gesagt. Es war nicht so, daß wir Costin sagen mußten, in die Richtung „Towards…“ und „Sylphlike“ zu gehen, sondern er hat auf Basis der Musik und der Texte das Cover aus freien Stücken generiert. Er hatte null Vorgaben und nur diese Platte zur Inspiration. Costin ist ein Künstler und nimmt das sehr ernst, glaube ich. Das ursprüngliche Cover war in einem tiefen Rot gehalten, daß eher der Promo von 2008 ähnelte. Die Referenzen durch diese „Towards-Türme“, sage ich mal, waren nicht bestellt. Costin ist selber ein Fan der ersten Stunde und hat, glaube ich, als er die Musik gehört hat, das ganze eigenständig in die Richtung gebracht. Der entscheidende Punkt ist, daß es in der Band keine großen Diskussionen gab. Tobias z.B. fand das rote Cover perfekt und wollte es so nehmen. Ich wollte, daß die Farben mehr in die Richtung der alten Cover gehen, also den Night-In-Gales-Farben.

C.S.: Gibt’s dann künftig NIG Shirts in orange? (Gelächter)

Jens: Nee, ich steh‘ halt auf Bandfarben. Ich habe Costin halt irgendwann mal mitgeteilt, daß Cover zu ändern, weil das Rot mich traurig gemacht hat. Das war mir zu Moonspell mäßig.

Tobbe: Es war nicht so, daß ich unbedingt auf das erste Cover bestanden habe, sondern es war genauso wie mit der Musik. Immer dann, wenn ich die Platte höre, habe ich einen anderen Favoriten und so ähnlich war es auch mit dem Bild. Ich habe das rote Cover an einem Tag gesehen und meinte, daß es wirklich was urknallmäßiges hatte und der Platte was aggressiveres gab. Aber zu den Aspekten, die Jens gerade nannte, daß es auch so eine Mischung aus „Sylphlike“ und „Towards The Twilight“ ist, habe ich halt dann gesagt: „Ja, klar!“ Die Band war sich am Ende eigentlich einig über das Cover.

Christian: Das Cover sowie Layout spiegeln eigentlich das wieder, was wir die ganze Zeit gemacht haben. Wir sind mit einer gewissen Leichtigkeit herangegangen, ohne uns groß Gedanken zu machen. Ich habe vorhin gesagt, daß Björn ein super Sänger ist und ich fand auch die ganzen Layouts, die er gemacht hat, super geil. Alle waren sehr durchdacht und ich würde mir die als Bilder ins Zimmer hängen. Der Unterschied bei „The Last Sunsets“ ist, daß man sagen kann, man hat es einfach mal gemacht. Es gab zwar Diskussionen, aber keine grundsätzlichen!

Jens: Aber ungelogen, in jedem zweiten, wenn nicht sogar jedem Review steht, daß das Cover an unsere ersten beiden Sachen erinnert. Was gibt’s denn besseres, als wenn der Rezensent sich an diese erinnert und sogar noch dazuschreibt, wie cool er diese Alben findet? Ich nehm’s als Kompliment!

C.S.: Ich habe die Frage nicht zuletzt deswegen gestellt, weil das Material „Back to the Roots“ geht, die Gastsänger Urgesteine der deutschen Death Metal Szene sind und dann noch das Cover dazu. All das hat meine Vermutung unterstützt, daß hier ein dickes Ausrufezeichen gesetzt wurde, nach dem Motto: „Night in Gales steht für Melodic Death Metal alter Schule!“

Jens: Man sollte auf einen Schlag an allen Ecken und Enden erkennen, was drin ist, denn nur so verkaufst du ein Produkt! Jetzt klinge ich wieder wie die Marketinghure, aber ohne Scheiß, nach zwanzig Jahren Ups und Downs, wozu soll ich da das kontraproduktivste Cover aller Zeiten machen, wenn ich das Cover eigentlich genauso will, wie es ist?! Ich wollte das genau so haben! Ich wollte es eigentlich immer so haben und…es war nicht immer so einfach, ne!

C.S.: Nach dem, was ich jetzt so höre von allen Mitgliedern, scheinen die Sterne wirklich in jeder Hinsicht günstig gestanden zu haben. Alle waren auf einer Wellenlänge und das spiegelt sich in jedem Aspekt von „The Last Sunsets“ wieder, wie ich finde.

Christian: Das ist eine sehr schöne Zusammenfassung, denke ich. Die Dinge sind ohne Kalkül passiert, ohne daß einer von uns den Masterplan hatte. Es hat viel mit einem guten Gefühl zu tun, damit, die Dinge richtig zu machen. Und ja, die Sterne standen gut!

Ricci: Es ist vielleicht auch sehr wichtig, zu sehen, daß ein Großteil der Musiker auch wirklich sehr viel Zeit hatte, sich auf das Album zu konzentrieren. Ich hatte mit meiner damaligen Hauptband Grind Inc. nichts zu tun, Tobbe hatte relativ viel Freiheit, Frank ebenso und somit sieht man am Resultat, daß alle den Kopf frei hatten, um das Beste aus sich herauszuholen.

C.S.: Aber Jens, ich muß trotzdem noch wissen: Was ist jetzt mit The Wake, deinem Black Metal Projekt?

Jens: Es ist einfach so, daß ich den Florian aus Rumänien mal auf einer Show meiner alten Kapelle Deadsoil getroffen habe, er stand dort als Praktikant von Bastardized Records (u.a. Japanische Kampfhörspiele) und outete sich als Night In Gales Fan. Daraus ist dann eine Art länderübergreifende Couchsurf-Freundschaft entstanden und irgendwann mit besoffenem Kopp entschieden wir beide einfach mal, ein geiles 90er-Style Black Metal Album einzuspielen. Zu Zeiten von „Sylphlike“ haben wir bei Proben auch eigentlich immer Impaled Nazarene gecovert, wie Christian bezeugen kann. „Ugra Kama“ und „Tol cormpt…“ haben wir damals mit 16 Jahren total abgefeiert und sind auch manchmal von Partys geschmissen worden, weil daß irgendwie zu laut und ganz schlimm war. Und natürlich hatte ich diesen Drang, auch mal Black Metal zu spielen und so ist dieses Projekt zustande gekommen. Es ist eine Zwei-Mann-Band und wir haben versucht, das ganze so kultig à la Brujeria aufzuziehen, aber das hat natürlich keinen interessiert (lacht). Die Platte finde ich geil, wer Ahnung vom Black Metal der 90er Schule hat und darauf steht, sollte sie auch mögen. Das Album „Earth´s Necropolis“ ist 2017 bei Loud Rage Music erschienen, es ist gekrönt von einem waschechten Travis Smith Coverartwork und es wird auch weitere Veröffentlichungen geben, als nächstes wird es ein einzelner 15-minütiger Song samt Konzeptvideo sein, bei dem u. a. Costin C. mitwirken wird, wie ich hörte.

C.S.: …The Wake steht nicht mal bei Metal Archives… (Stimmt nicht…wer suchet, der findet – C.S.)

Jens:…Aber ich kann jeden aufrufen, diese Platte mal zu hören. Sie ist bei mir und demnächst auch über unseren Bandcamp Shop zu beziehen.

C.S.: Da werd‘ ich dich auf alle Fälle noch mal drauf anschreiben. Ich könnte jetzt noch mehr fragen, habe aber alles, was auf meinem Zettel steht, abgeklappert. In diesem Sinne danke ich vielmals!

https://night-in-gales.com/

https://nightingalesmerch.bandcamp.com/

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